Billigflieger in Turbulenzen - Hohe Kerosinpreise

Hoher Kerosinpreis beschleunigt Pleitewelle
Berlin - Trotz steigender Preise droht in der europäischen Luftfahrtindustrie eine Pleitewelle. Die hohen Kerosinkosten werden die Konsolidierung der Branche bereits in den kommenden Wochen beschleunigen, prophezeit der Airline-Experte der Unternehmensberatung Mercer, Dieter Schneiderbauer: "Man kann davon ausgehen, daß vielen angesichts der Kerosinpreise jetzt bald das Geld ausgehen wird."


Die derzeitige Situation sei für viele Unternehmen brisant: Der Aufwand fürs Flugbenzin habe sich in den letzten eineinhalb Jahren fast verdoppelt. In der letzten Woche mußten in Rotterdam zeitweise mehr als 700 Dollar für die Tonne Kerosin gezahlt werden, Anfang des Jahres waren es 436 Dollar. Laut Schneiderbauer gibt es unter den rund 60 Anbietern in Europa viele kleine und mittlere Unternehmen, die immer noch Anlaufverluste verkraften müssen und sich teure Sicherungsgeschäfte im Treibstoff-Einkauf nicht leisten können. Um den Kostenschub abzumildern, erhöhen auch die Billigflieger die Preise. Zwar erheben die Unternehmen keine Kerosinzuschläge wie die Charter- und klassischen Netzgesellschaften. Aber wer heute später bucht, zahlt schneller mehr als früher.

Die beiden Marktführer Ryanair und Easyjet wollen in dieser für die Wettbewerber immer bedrohlicheren Situation ihren Marktanteil von mehr als 50 Prozent mit teilweise spektakulären Sonderaktionen weiter erhöhen. Richtig eng wird es für die deutsche Konkurrenz der Briten aber nicht werden. HLX wie auch Germanwings gehören zu finanzstarken Konzernen. TUI und Lufthansa übernehmen zudem für ihre Billigtöchter kostengünstig die Absicherung der Treibstoffpreise. Air Berlin, die Nummer drei auf dem europäischen Markt, geht einen anderen Weg. Da das Unternehmen noch die Hälfte seiner Plätze an deutsche Reiseveranstalter verkauft, erhebt Air Berlin einen Kerosinzuschlag, der jüngst um vier Euro auf 18 Euro pro Strecke erhöht wurde.

Quelle: Die Welt

Nachricht vom 12.10.2005

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