EasyJet bald ab Hamburg Fuhlsbüttel

An Hamburgs Himmel sind die Flieger mit dem auffälligen Orange am Heck und an den Triebwerken häufig zu sehen - doch bisher immer ohne Passagiere. Denn bisher hat der britische Billigflieger EasyJet die Hansestadt zwar nicht im Flugplan, ist seit seinem Großauftrag über 120 A319-Maschinen aber der größte Kunde von Airbus auf Finkenwerder.

Dort holte die Niedrigpreis-Gesellschaft gestern Nachmittag den 50. Jet aus dieser Serie ab. Ebenfalls mit einem an der Elbe gebauten A319 wird EasyJet am 11. August die neue Verbindung zwischen Hamburgs Flughafen Fuhlsbüttel und Basel aufnehmen. Künftig könnte Hamburg jedoch stärker in das Netz der Gesellschaft eingebunden werden, denn sie sucht für das kommende Frühjahr noch mindestens ein Drehkreuz in Nord- oder Süddeutschland. "Hamburg ist einer der Flughäfen, mit denen wir in Verhandlungen stehen", sagte John Kohlsaat, Deutschland-Chef von EasyJet, dem Abendblatt. Neben den Gebühren sei entscheidend, daß der Flughafen eine kurze Bodenzeit zwischen Landung und Start von 20 Minuten ermöglichen könne.

Bisher hat die Gesellschaft in Deutschland zwei Drehkreuze in Berlin-Schönefeld und Dortmund aufgebaut. Dabei könnte das EasyJet-Geschäftsmodell für Hamburg sprechen, denn die Briten versuchen nicht, Großflughäfen möglichst zu meiden - im Gegensatz zu anderen Billigfliegern wie etwa Ryanair.

Wie sich die Strategien unterscheiden, erklärt Kohlsaat so: "Wirklich niedrigpreisig ist Ryanair. Dafür fliegt man aber auch nicht in die Metropolen, sondern muß längere Wege in Kauf nehmen. Dann gibt es das Premiumsegment, zum Beispiel mit Air Berlin. Wir sehen uns in der Mitte dazwischen."

Diese Einschätzung wird bestätigt durch ein Testergebnis, das die Stiftung Warentest Ende Januar veröffentlichte. Dabei schnitt Air Berlin - gleichauf mit der dba - am besten ab (Note 2,2), war mit einem durchschnittlichen Ticketpreis (Hin- und Rückflug) von 162 Euro aber deutlich teurer als EasyJet (Note 2,5; Durchschnittspreis 112 Euro) und Ryanair (Note 2,8; 109 Euro).

Mit den bisher übernommenen Airbus-Jets des Typs A319 zeigte sich Kohlsaat zufrieden: "Das ist ein Arbeitstier. Er leistet viel, frißt wenig und klagt so gut wie nie." Auch wegen der hohen Auslastung seien bei EasyJet die Treibstoffkosten pro Sitz niedriger als bei allen anderen Fluggesellschaften Europas. Neben den 50 Airbus-Maschinen gehören 55 Boeing 737-Jets zur Flotte.

Während ein Airbus A319 üblicherweise 124 Passagierplätze hat, läßt EasyJet ihn mit 156 Sitzen ausstatten.

Quelle: Hamburger Abendblatt vom 8. Juli 2005

Nachricht vom 08.07.2005

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