Hoher Ölpreis macht (Billig-) Airlines zu schaffen

Der hohe Ölpreis macht sich bei den Ticketpreisen der meisten Airlines noch nicht bemerkbar. Bei British Airways müssen die Passagiere aber schon ab kommenden Mittwoch tiefer in die Tasche greifen.

British Airways kündigte in London an, auf Langstreckenflügen den im Mai eingeführten Kerosinzuschlag um mehr als das Doppelte zu erhöhen. Die Passagiere müssen statt 2,50 Pfund nun 6 Pfund, umgerechnet 9 Euro, Zuschlag pro Flug zahlen. Auf Kurzstreckenflügen bleibe es unverändert bei 2,50 Pfund.

"Die Preise für Benzin sind in den letzten zwölf Monaten um 45 Prozent gestiegen", sagte Finanzvorstand John Rishton. Die Kerosinkosten lägen 2004 voraussichtlich um 225 Millionen Pfund (338 Millionen Euro) höher als im Vorjahr. Rishton ging davon aus, dass der Preisaufschlag 70 Millionen Pfund (105 Millionen Euro) einbringen wird. "Es wird erwartet, dass der Treibstoffpreis auf hohem Niveau bleiben wird."

Weniger Billigtickets bei Air Berlin

Air Berlin will laut Sprecherin Angelika Schwaff ab dem Winterflugplan von den Veranstaltern pro Platz 6 bis 9 Euro mehr verlangen. Die Direktkunden von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft seien aber nicht betroffen. "Es gibt nach wie vor Plätze für 29 Euro", sagte Schwaff. Es könne aber sein, dass die übrigen Plätze schneller teurer würden als zuvor. Bei Air Berlin steigt der Preis in Schritten von 10 Euro.

Der Reisekonzern Thomas Cook, zu dem Condor gehört, hat laut Sprecher Rolf-Dieter Graß bei den Reiseveranstaltern "geringfügige Erhöhungen" durchgesetzt. Details wollte er nicht nennen. "Der Reisekunde merkt nichts", sagte er. Condors Hauptpartner Neckermann habe seine Preise für den Winter im Schnitt sogar um acht Prozent gesenkt.

Lufthansa-Sprecherin Katrin Haase sagte: "Wir beobachten die Lage ganz genau. Gegenwärtig haben wir keine Pläne, die Preise anzuheben." Ähnlich äußerten sich der Sprecher von Germanwings und Hapag Lloyd Express (HLX) sowie von der dba. Sprecher Matthias Andreesen von der dba sagte, der hohe Kerosinpreis belaste die Fluglinie nicht so stark, weil sie vor allem innerdeutsche Flüge mit durchschnittlich 50 Minuten Dauer anbiete. Zudem habe die dba "sehr konservativ gerechnet" und einen hohen Kerosinpreis einkalkuliert. Steige der Ölpreis auf 50 Euro, entstünden pro Flug 200 Euro mehr, rechnete Andreesen vor. Dies könne mit zwei zusätzlichen Passagieren aufgefangen werden.

Swiss fordert Piloten zu sparsamem Tanken auf

Die europäischen Billigflieger Ryanair und Easyjet versprachen, auf Kerosinzuschläge zu verzichten. Ryanair-Sprecher Paul Fitzsimmons sagte, die Airline werde garantiert keinen solchen Zuschlag erheben - "nicht heute, nicht morgen, nicht irgendwann". Easyjet kritisierte die Preiserhöhungen bei BA als "falsches Signal für die gesamte Flugbranche". Air France/KLM beschäftigt sich derzeit laut einer Sprecherin mit dem Thema, hat aber noch nichts entschieden. Die Schweizer Fluglinie Swiss forderte unterdessen ihre Piloten auf, künftig sparsamer zu tanken. Sie sollten ihre Flüge sorgfältiger planen und keinen unnötigen Treibstoff mitführen, erklärte Swiss-Sprecher Dominik Werner.

Quelle: Spiegel On

Nachricht vom 16.08.2004

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